Der Atomstaat oder wie Atomgegner verfolgt werden

ARTIKEL FÜRLIEBER HEUTE AKTIV ALS MORGEN RADIOAKTIV“

LAIKA VERLAG, HAMBURG 2012-07-12

In den fünfziger und sechziger Jahren entschied sich die Bundesregierung Atomwaffen herzustellen und zu diesem Zweck eine Nuklearindustrie aufzubauen. So heißt es in einem ehemals geheimen Dokument: Der Bundeskanzler weist daraufhin „es sei daher dringend erforderlich, dass die Bundesrepublik selbst taktische Atomwaffen besitze“. 1 Der Bevölkerung beschied man, diese neue Energieerzeugung sei sauber, sicher und vor allem wirtschaftlich. Kaum einer der Bürger verfügte über ausreichende Kenntnisse der Gefahren oder hatte die Courage die Atompolitik zu hinterfragen. So konnte die Atomwirtschaft ungestört ihre Pläne durchziehen. 1970, so der Spiegel, konnten nicht einmal 5 Prozent der Deutschen etwas mit dem Begriff Umweltschutz anfangen. Umweltschützer und Atomgegner galten als Spinner, Aufrührer und waren dem Staat suspekt. Anfang der siebziger Jahre wurden erste Bücher zum Umweltschutz und über die Gefahren der Atomenergie veröffentlicht. Bürgerinitiativen bildeten sich und schulten Bauern und Bürger, so dass sich Widerstand entwickeln konnte. Als Bürger in Wyhl, Brokdorf und Grohnde demonstrierten, nahm der Verfassungsschutz sie rasch ins Visier. Ganz offen diffamierten Deutschlands Politiker, Atomkraftgegner als kriminelle Elemente und beschworen den „wehrhaften Rechtsstaat“, der sich nicht von „Gewalttätern und Chaoten“ in die Knie zwingen lasse. 2 Der ehemalige Blutrichter und Ministerpräsident Dr. Filbinger bezeichnete Atomgegner als „professionelle Revoluzzer“, die den Staat zerstören wollten. 3 Bundeskanzler Kohl sekundierte Atomgegner wollten die AKWs abschalten, „um die Republik sturmreif zu machen“. Und der ehemalige bayerische Ministerpräsident Strauß tönte: „Ich werde den Verdacht nicht los, dass den Hintermännern und Drahtziehern der Anti-Atom-Bewegung daran gelegen ist, die Bundesrepublik in ein Chaos zu stürzen, deren einziger Nutznießer, die Sowjetunion, dann in Europa die Macht übernehmen könnte.“ 4

 

Offen erklärte die Bundesregierung im Bundestag, dass Atomgegner überwacht werden, um Gefahren „im Hinblick auf die Gewährleistung des Schutzes vor Sabotage und terroristischen Aktivitäten beurteilen zu können.“ 5 Selbst Veranstaltungen von evangelischen Pfarrern zu juristischen Aspekten der Atomenergie wurden von der Kriminalpolizei „observiert“. 6 Bürgerinitiativen wurden von Polizeispitzeln unterwandert, diese versuchten zu Gewalttaten zu verleiten. Listen der Mitglieder von Bürgerinitiativen, ihre Adressen, Autokennzeichen, Telefonnummern usw. wurden polizeilich ermittelt, um „Gefahren für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung“ abzuwehren. 7 Spaziergänger, die sich auf einen Kilometer einem Atomkraftwerk näherten, wurden von Polizeihubschraubern observiert und fotografiert. In Brokdorf, Gorleben, Wackersdorf etc. wurden Bauern mit Feldstechern, Videokameras usw. „tot observiert“. 8

 

Prof. Dr. Dr. Karl Bechert, Vorsitzender des Atomausschusses des Deutschen Bundestages, resignierte: „Da haben wir also den Atomstaat!“ 9 Das „Komitee für Grundrechte und Demokratie“ stellte in der Frankfurter Rundschau fest, „die Furcht vor dem deutschen Atomstaat“ sei „auf erschreckende Weise bestätigt“ worden. 10 Prof. Dr. Robert Jungk wies in seinem 661 Seiten starkem Buch „der Atomstaat“ nach, dass der demokratische Rechtsstaat de facto nicht mehr existiert. Um den Widerstand zu brechen, so Jungk, wurden Atomgegner in Irrenanstalten inhaftiert und mehrfach mit Elektroschocks traktiert. 11 Jungk erinnerte an die „dunkelsten Zeiten tyrannischer Herrschaft“, und er wies daraufhin, dass alle Kritiker – auch konservative Umweltschutzorganisationen – mit aller Härte verfolgt wurden. 12 So wurden die Mitglieder der „Gesellschaft zur Aufklärung über Umweltgefahren“ (GAU), die aus einem honorigen Kreis von Juristen, Ärzten und Pfarrern bestanden, so lange vom Staat und Steuerbehörden schikaniert, bis sie sich auflösten.

 

Bei vielen Demonstrationen in Wyhl, Brokdorf, Grohnde, Gorleben und Wackersdorf setzte eine entfesselte Soldateska mit Hubschraubern, Wasserwerfern, Nebel- und Giftgasgranaten und Hundestaffeln neue ethische Maßstäbe: „Ein wehrlos auf dem Boden liegendes Mädchen wurde brutal mit Gummiknüppeln zusammengeschlagen.“ Alte Frauen wurden in Stacheldrahtzäune und in eiskaltes Wasser getrieben. „Den gewaltfreien Widerstand der Wendländer – Bauern, Hausfrauen, Pastoren, alte und junge Bürger – knüppelte die Polizei nieder“, kritisierte die Frankfurter Rundschau. 13 In meinem Buch „Friedlich in die Katastrophe“ werden im Kapitel „Der Atom-Staat“ seitenlang die unglaublichen Vorfälle und Rechtsverstöße akribisch aufgelistet. Zehntausende Atomgegner wurden verfolgt, verleumdet, mit Disziplinarverfahren überzogen, vor Gericht gezerrt und widerrechtlich inhaftiert. Medien hetzten in konzertierten Aktionen über Atomgegner als Extremisten, Kommunisten, Gewalttäter und Terroristen. Auf der anderen Seite wurden aber auch selbst Fotografen und Journalisten bei ihrer Arbeit vor Ort brutal zusammengeschlagen und inhaftiert. Der Bürger wurde entmündigt und ihm jedes Recht auf Widerstand genommen: „Und wenn die Welt unterginge (weil alle AKWs explodierten), gäbe es Widerstandsrecht nicht“. Atomgegner wurden „im Namen des Volkes“ als Staatsfeinde und Terroristen verurteilt. 14 15 Dem entgegnete Prof. Bechert, indem er feststellte: „Man nennt uns Aufwiegler – wir aber wollen nicht in einer atomaren Katastrophe untergehen; wir wollen nicht, dass unsere Nachkommen uns verfluchen, weil wir dem atomaren Wahnsinn keinen Widerstand geleistet haben!“

 

Staatsanwaltschaften und Polizei konstruierten Fälle, manipulierten Prozesse, sorgten für Falschaussagen und unterliefen das Recht. Selbst auf Staatsanwälte und Richter, die sich weigerten zu „kooperieren“, wurde Jagd von der Justiz gemacht. 16 Der Stern berichtete von tausenden Prozessen gegen Atomgegner mit unglaublichen, systematischen Rechtsbeugungen, wie sie in einem Rechtsstaat nicht vorkommen dürften. „Verstöße gegen die Prozessordnung“ seien an der Tagesordnung. „Dabei legten diese Gesetzeshüter“ eine schier unglaubliche Unverfrorenheit an den Tag, indem sie sich auf ihre Falschaussagen noch vereidigen lassen.“ 17 Mit dubiosen Methoden, Einreise- und Versammlungsverboten, überfallartigen Hausdurchsuchungen und ähnlichem Instrumentarium wurde gegen Atomgegner vorgegangen, die man kurzerhand als Terroristen bezeichnete. Dass sie solche seien, konnte zwar in keinem Fall bestätigt werden, dennoch war „kein Mittel zu schade, um unliebsamen Widerstand gegen die Atompolitik“ zu kriminalisieren. 18 Auch größere Menschenansammlungen versuchte man zu verhindern. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die „Geiselnahme“, wie sie Hamburgs ehemaliger Oberbürgermeister Henning Voscherau nannte. Der „schwärzeste Tag“ seiner siebenjährigen Amtszeit, so resümierte Klaus von Dohnanyi, sei der 8. Juni 1986 gewesen: der Tag des Hamburger Polizeikessels. Damals waren 800 friedliche Demonstranten von vier Hundertschaften der Polizei auf dem Heiligengeistfeld umzingelt und festgehalten worden. Hungernd und frierend mussten sie im Stehen warten, Frauen vor den Augen der Polizei ihre Notdurft verrichten. Die Einkreisung und Verhaftung war von Anfang an rechtswidrig und Freiheitsberaubung, so urteilte das Gericht und verurteilte die Stadt Hamburg zu Schmerzensgeld an alle Beteiligten. 19

 

Wenn schon „Mitläufer“ nicht auf Gnade hoffen durften, so entlud sich die staatliche Willkür erst recht an sogenannten Rädelsführern und Landesverrätern. Zwar würde es jeden Rahmen sprengen, über alle Opfer zu berichten, doch einige Beispiele sollen die Vorgehensweise beleuchten. Der zuständige Schwandorfer Landrat, Hans Schuirer, der mit 70,5 Prozent der Stimmen gewählt wurde, weigerte sich den Bau der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf zu fördern. Seine Amtshandlungen wurden stets von übergeordneten Behörden ins Gegenteil verkehrt, und er geriet schnell ins Visier der Atomlobby. Franz Josef Strauß und sein Innenminister August Lang nannten ihn „Steigbügelhalter des Kommunismus“, „Volksverhetzer“, „Rädelsführer“ und beschuldigten ihn offen der Sabotage. Schuirer wurde von der Staatsregierung verklagt und mit Disziplinarverfahren überzogen, ähnlich wie bei Pfarrer Leo Feichtmeier und Richter Helmut Wilhelm. Das löste eine Solidaritätswelle in der Bevölkerung aus. Schuirer erklärte Verleumdungskampagnen, Hausdurchsuchungen und Einkesselungen könnten den Willen der Bevölkerung nicht brechen. Sie seien „keine Leibeigenen der Atomlobby“. Als dann ein scharfer Polizeihund auf ihn gehetzt wurde, nannte es Schuirer „Terror in Vollendung“. 20 21 Schuirer wurden in allen Prozessen freigesprochen, denn kein Dienstherr darf ihm den Mund verbieten.

 

Helga Vohwinkel, Oberstudiendirektorin, die sich dem Leben gegenüber verpflichtet fühlte, klagte erfolgreich gegen das Atomkraftwerk Mühlheim/Kärlich, da es illegal auf einer Erdbebenspalte errichtet worden war. Da ihre Aktivität der RWE einen Milliardenverlust bescherte, trat eines frühen Morgens ein Spezialkommando ihre Haustür ein. Als Vohwinkel aus ihrem Bett hochschreckte, sah sie in den Lauf von Maschinenpistolen, bevor man ihr einen Sack über den Kopf zog und sie fesselte. Mit den Füßen voran schleifte man sie die Treppen herunter, so dass sie bei jeder Stufe mit dem Kopf aufschlug. Sie wurde inhaftiert, bis ihr Anwalt erschien und musste dann umgehend freigelassen werden. Als ich persönlich danach mit ihr sprach, war sie immer noch geschockt und konnte kaum fassen, dass der Staat zu so etwas fähig war.

 

Noch schlimmer erging es dem promovierten Physiker und Gymnasiallehrer Fritz Storim. Als Wissenschaftler hatte er Hunderte von Bürgern und Bauern in der Willster Marsch über die Gefahren der Atomenergie aufgeklärt. Selbstverständlich war das der Obrigkeit nicht verborgen geblieben. Sie verklagte ihn nach § 129a StGB – an wegen angeblicher „Unterstützung der terroristischen Vereinigung RAF“, weil er Physiker und angeblich an zwei Zeitungsartikeln bezüglich der Besetzung der Hafenstraße in Hamburg beteiligt gewesen wäre. Verhandelt wurde im Terroristentrakt – im Staatsschutzsaal mit Trennscheibe. Die Öffentlichkeit und offizielle Prozessbeobachter waren nicht zugelassen. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Obgleich das Urteil noch nicht rechtskräftig war, wurde er 114 Tage in Isolationshaft und unter verschärften Haftbedingungen eingekerkert. Dann wurde eine weitere Anklage erhoben. Angeblich sei er an einem Sprengstoffanschlag gegen einen Mast des AKW Brokdorf beteiligt gewesen. Als Indiz galten seine Atomgegnerschaft und sein Wissen als Physiker. Doch der Haftbefehl war wegen fehlender Beweise nicht zu belegen und musste aufgegeben werden. Dennoch wurde das Verfahren fortgeführt, bis es letztendlich wegen „mangels hinreichenden Tatverdachts“ endgültig eingestellt werden musste. Zu diesem Zeitpunkt war die Existenz Storims jedoch bereits vernichtet, seine Anstellung als beamteter Gymnasiallehrer war ihm gekündigt und er zum Sozialfall geworden. Nach Meinung Storims ging es um eine Einschüchterungstaktik – um ein Abschreckungsbeispiel, um andere Atomgegner abzuschrecken und einzuschüchtern, da man sich gegen das zur Schau gestellte staatliche Unrecht kaum wehren konnte. 22

 

Prof. Dr. Robert Jungk hatte sich mit seinem Buch der „Atomstaat“ Feinde in Deutschland gemacht, die dafür sorgten, dass er wegen „Volksverhetzung und Landsfriedensbruch“ verklagt wurde, um ihn so aus dem Land heraushalten zu können. Doch Jungk war nicht irgendjemand. Seine komplette Familie wurde in KZs ermordet, da sie Juden waren und obwohl er selber Opfer war, war er nach dem Krieg der Erste, der weltweit die Vergewaltigungen und systematischen Morde an der deutschen Zivilbevölkerung durch die Siegermächte anprangerte. Zudem genoss er ein hohes internationales Ansehen: war sehr populär, ein erfolgreicher Autor, Gründer der Zukunftswerkstätten, österreichischer Bundespräsidentschaftskandidat und Träger des Alternativen Nobelpreises. Jungk bezeichnet die Atomenergie und ihre Förderer als „Super-Hitler“, da sie langfristig alles höhere Leben auf der Erde zerstören werden – so in der Tat die „Endlösung“ erst möglich machen. 23 Seine erneute Verfolgung in Deutschland führte zu ernsthaften diplomatischen Verstimmungen mit den USA und Österreich. Als Franz Josef Strauß zum Opernball nach Wien reisen wollte, stoppten ihn die österreichischen Zöllner. Er werde in Österreich wegen „Volksverhetzung und Landsfriedensbruch“ gesucht. Bei der Einreise würde man ihn sofort verhaften. Ähnlich ging es einer bayerischen Wirtschaftsdelegation, die nach Wien wollte. Dieser Vorfall kostete Deutschland viele Sympathien im Ausland. Auf einmal war er wieder da, der Ruf des hässlichen Deutschen, der die Juden verfolgt. Jungk musste letztendlich freigesprochen werden.

Doch der Schaden im internationalen Porzellanladen ließ sich nicht so einfach reparieren. Jungk forderte: „Es geht nicht an, dass diejenigen, die uns schützen wollen, bestraft, statt gelobt werden.“ 24

 

Frieder Wagner, ein erfolgreicher Filmemacher, der Jahrzehnte für das ZDF und die ARD Filme produzierte und den Grimme Preis in Silber und Gold und den Europäischen Fernsehpreis erhalten hatte, fiel in Ungnade, als er den Film „Todesstaub“ über Uranmunition produziert hatte. Die Uranmunition ist radioaktiver Müll, der aus der Anreicherung und den Wiederaufbereitungsanlegen stammt. Im letzteren Fall ist er zudem mit Plutonium und anderen gefährlichen radioaktiven Spurenelementen kontaminiert. Aus diesem Material wird Munition für Maschinengewehre, Granaten und Bomben hergestellt, welche auf Grund ihres hohen Gewichtes Stahl, Beton und Granit wie Butter durchschlagen. Die Explosion erfolgt bei rund 5000 Grad und die Uranmunition formt sich bei der Verbrennung in kleine Nano-Uran-Teilchen um. Dieser Todesstaub treibt der Wind vor sich her, er geht auf Felder und Gewässer nieder, verseucht Nahrung und Wasser, wird eingeatmet, getrunken, gegessen und dringt durch die Poren der Haut ein. Im Körper dringt er in Zellen, ins Gehirn, in Samen- und Eizellen ein und verursacht auf Grund seiner hohen Giftigkeit und radioaktiver Strahlung Krebs und Missgeburten.

 

Uran-238 hat eine Halbwertzeit von 4,5 Milliarden Jahren, d.h. es zerfällt kaum und verursacht für alle Zeiten Gesundheitsschäden. Mittlerweile wurde der Uranstaub aus dem Irak, Afghanistan, Kosovo, Lybien, Libanon, Somalia und überall dort, wo die NATO diese Waffen eingesetzt hat, also fast überall auf der Welt, nachgewiesen. In den oben genannten Ländern gibt es hoch verseuchte Gebiete, in denen kaum noch gesunde Kinder zur Welt kommen und Krebs endemisch ist. Von dieser Munition wurden bereits Zehntausende Tonnen verschossen. Zudem hat Barack Obama eine 15 Tonnen schwere Uranwaffe entwickeln lassen (Massive Ordnance Penetrator), die im Iran eingesetzt werden soll, um hunderte Meter tief in Granit einzudringen und um die Urananreicherungsanlagen zu zerstören. Langfristig wird durch diesen Wahnsinn jegliches höhere Leben vernichtet. Der Friedensnobelpreisträger Obama sorgt dafür, dass selbst seine eigene Nachkommenschaft ausgerottet werden wird. 25 26 Weil Frieder Wagner es wagte, auf dieses ungeheure Verbrechen hinzuweisen, bekam er ein Berufsverbot. Rund ein Dutzend Journalisten, die über diesen Vorfall geschrieben haben, wurden ebenfalls mit Berufsverbot belegt.

 

Noch schlimmer erging es Sir Prof. Dr. Dr. Horst-Siegwart Günther (sechs akademische Grade), der für seine medizinische Forschung von der englischen Königin geadelt wurde. Günther saß bereits als junger Offizier im KZ Buchenwald, da er dem Widerstand gegen Hitler zugeordnet wurde. Später arbeitete er jahrelang mit Albert Schweizer im Urwaldhospital Lambaréné zusammen. In Nordafrika baute er Hospitäler, die Medizinstudenten wurden mit Hilfe seiner Bücher ausgebildet und er behandelte Minister und Ministerpräsidenten in Ägypten, Syrien, Irak usw. Günther, ein Gutmensch, der mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert wurde und in rund 30 Ländern die höchsten Auszeichnungen erhielt, machte das Verbrechen der Uranmunition weltweit bekannt. Wegen eindeutiger Beweise, die er präsentierte, wurde er in Deutschland inhaftiert und man versuchte dreimal, ihn zu ermorden. Beim letzten Mal wurde er in der Nähe Münchens von einem Geländewagen ohne Nummernschilder, der den Fahrradweg überfuhr, um ihn, der sich auf dem Gehweg befand, mit hoher Geschwindigkeit gezielt zu überfahren. Er blieb schwer verletzt liegen, während der Täter Fahrerflucht beging. Günther hat sich nie von dem Mordanschlag erholt. Er siecht heute in Husum körperlich und geistig verkrüppelt in einem Rollstuhl dahin. Anstatt in Deutschland stolz auf seinen berühmten, weltweit vergötterten Sohn zu sein und ihn zu ehren, schaltete die Atomlobby ihn aus. 27 28

 

Auch Wissenschaftler wurden massiv unter Druck gesetzt. Universitäten haben ihre Institutionen von kritischen Atomexperten gesäubert. Anderen wurden Forschungsgelder und Mitarbeiter gestrichen, sie wurden öffentlich angefeindet und dem Rufmord preisgegeben. Zudem griffen die Medien solche Kampagnen gerne auf wie z.B. bei der Ärztin und Radiologin Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake. Sie wurde ohne Gnade bekämpft, lächerlich gemacht und verleumdet. Als später ihre Erkenntnisse durch renommierte, ausländische Strahleninstitute bestätigt wurden, verlor die Presse darüber kein Wort. Selbst die vom Staat eingesetzte Leukämie-Kommission, die die erhöhten Krebsraten um das Atomkraftwerk Krümmel klären sollte, wurde so lange behindert, bis sich fast alle Mitglieder zum Rücktritt genötigt sahen. Zudem wurden bei ihnen die Steuerbeamten besonders aktiv. 29 So z.B. auch bei Professor Klaus Duphorn, einem international geachteten Wissenschaftler, der wiederholt für die Bundesregierung tätig gewesen war. Als er nach intensiver Forschung zu der Erkenntnis kam, dass der Salzstock Gorleben für hochradioaktive Abfälle nicht geeignet ist, wurde er öffentlich diskreditiert und in die Eiswüste der Antarktis geschickt. 30

 

 

Und wer als Wissenschaftler etwas herausfindet, das gegen massive politische- und wirtschaftliche Interessen verstößt, muss damit rechnen, ermordet zu werden. So wurden auf das Öko-Haus des BUND in Freiburg 1986 und 1987 Anschläge verübt, dabei eine wissenschaftliche Mitarbeiterin erschossen und eine weitere verletzt. 31 Wer immer sich gegen die Atomenergie einsetzt, muss damit rechnen, in irgendeiner Form ausgeschaltet zu werden.

 

Darüber kann auch der Verfasser dieses Beitrags ein Lied singen – nach 44 Jahren massiver politischer Verfolgung und Terrorisierung, drei verschiedenen Berufsverboten, Schikanen unglaublichen Ausmaßes, Verleumdungen mal als Radikalkommunist, dann als bekennender Rechtsradikaler, Nazi, Holocaust-Leugner, als Scientologe, rechter Verschwörungstheoretiker, Anfeindungen, Zensur, Prozesse im Sicherheitstrakt für Terroristen. Sowie ein zehnjähriges Exil in Portugal, weil man mir drohte, dass sonst meine beiden kleinen Söhne verunglücken könnten, Brand – und Mordanschläge.

 

1969 kehrte ich aus Nordamerika zurück, wo ich studierte und als technischer Berater für Fertigung und Rationalisierung arbeitete. 1970 bekam ich eine Anstellung als Organisations- und Industrieberater in einer Firma in Düsseldorf. Gleichzeitig begann ich mich für den Umweltschutz einzusetzen. Auf der Weihnachtsfeier der Firma im gleichen Jahr wurde ich von einer Sekunde auf die andere mit der Begründung gefeuert, ich könne nicht Firmen bekämpfen und beraten. Obgleich hochqualifiziert, mit begehrtem Spezialwissen aus den USA, die uns damals viele Jahre voraus waren und einer zusätzlichen Ausbildung in EDV-Organisation, konnte selbst das Zentralarbeitsamt in Frankfurt mich nicht mehr vermitteln, da die deutsche Industrie mich mit einem Berufsverbot belegt hatte.

 

1970 schrieb ich mein erstes Buch „Klimaveränderungen: Brennende Senge oder Eiszeit?“ und erntete dafür Gelächter und Spott. Kein Verlag war bereit, solch einen „Unsinn“ zu drucken. 1971 zog ich wegen einer Fortbildung nach Frankfurt um und wurde Direktor der internationalen Umweltschutzorganisation „Friends of the Earth“, die mit der von mir gegründeten „Aktion für Umweltverbesserung“ verschmolz. Zu dieser Zeit schrieb ich vier weitere Bücher, die im Melzer Verlag erschienen. Gleichzeitig verklagte ich Mineralölfirmen wegen Vergiftung von Müllladern in Frankfurt durch Blei. Die Klage wurde abgewiesen, doch dann wurde ein Klageerzwingungsverfahren von mir eingeleitet. Die deutsche Richterkonferenz stellte fest, dass der Tatbestand der Bleivergiftung bestand und machte dem Gesetzgeber die Auflage, die Bleizusätze im Benzin schrittweise zu verringern. 32 Weiterhin wurden diverse Firmen wegen Umweltverschmutzung verklagt, bei denen sich herausstellte, dass sie seit Kriegsende wegen schlechter Ertragslage von allen Umweltschutzauflagen befreit waren! 1971 schrieb ich mein erstes Buch gegen Atomenergie und bot es 80 Verlagen an. Die lehnten alle ab und fragten, ob ich verrückt sei, da doch jeder wisse, dass die Atomenergie sicher, sauber, billig und unerschöpflich sei?

 

1972 zog ich nach Hamburg, um an der dortigen Universität Erziehungswissenschaften zu studieren. Zu der Zeit lernte ich in Stockholm auf der Umweltschutzkonferenz der UNO Peter Jacobi kennen. Er vermittelte den Kontakt zu einem kleinen anarchistischen Verlag – Association, den beeindruckte, dass so viele Verlage mein Anti-Atom-Buch abgelehnt hatten und schloss daraus, dass das Thema wichtig sei. Bürgerinitiativen kauften ganze Auflagen, da der Buchhandel das Buch mied. Friedlich in die Katastrophe diente den Initiativen in Wyhl, Brokdorf und Grohnde als Argumentationshilfe und avancierte schnell zur „Bibel der Atomgegner“ (Stern). Gleichzeitig organisierte ich mit dem Sozialistischen Hochschulbund, Jusos, Jungdemokraten und Junger Union Bildungsveranstaltungen mit renommierten Wissenschaftlern zu verschiedenen Themen des Umweltschutzes im Audi Max der Uni Hamburg, die jedoch von der Universitätsleitung mit horrenden Gebühren abgewürgt wurden. Doch diese Veranstaltungen erreichten ihre gewünschte Wirkung, indem hunderte Studenten anfingen, sich als Atomgegner einzusetzen.

 

„Friedlich in die Katastrophe“ hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Der Innenausschuss des Deutschen Bundestages, US-Behörden und US-Senatsausschüsse, UNO-Gremien und andere luden mich zu Hearings ein oder baten um Beratung. Die Universität Hamburg ließ mich als Student, auf Betreiben des Asta, Proseminare, Mittel- und Hauptseminare zur politischen Ökologie der Berufsschuldidaktik durchführen. Doch gleichzeitig bewirkte die Aufmerksamkeit auch, dass die Atomlobby, ihre abhängigen Senatoren und Politiker gegen mich in Stellung brachten, so dass ich mit einer Reihe von Schikanen überzogen wurde. Bei einer Podiumsdiskussion im Curio-Haus am 22. Februar 1977 wagte ich das erste Mal über diese Vorfälle zu sprechen, woraufhin Ermittlungsverfahren gegen mich wegen Verleumdungen erfolgten, und ich wurde vom Senat aufgefordert, konkrete Tatsachen zu nennen, denn so etwas gäbe es in Hamburg nicht. Die Anwaltssozität Niese/Ketelboeter vertrat mich gegenüber der Staatsanwaltschaft: „Wir haben somit selbst die Behauptung von Herrn Strohm vernommen, dass nach dem Erscheinen seines Buches „Friedlich in die Katastrophe“ seine Post kontrolliert, sein Telefon abgehört und er persönlich massiv unter Druck gesetzt worden sei, und zwar entweder vom Verfassungsschutz oder der Kriminalpolizei (K4), jedenfalls ohne richterlichen Beschluss.“

 

Weiterhin heißt es in dem sechsseitigen Brief: „3. Im Januar 1975 erhielt unser Mandant eines Abends in seiner damaligen Wohnung Hansastraße 12, 2 Hamburg 13, von 3 Herren Besuch, die sich als Polizeibeamte erklärten und ihm sagten, dass seine Tätigkeit in Sachen Kernenergie keinen Gefallen finde. Er möge sich zurückhalten, sonst kämen sie wieder und zögen eine Maschinenpistole oder 1 kg Hasch unter seinem Bett hervor oder aber man würde ihn auf dem Weg in´s Präsidium ein wenig unsanft behandeln, und ihm so viele Anzeigen wegen Widerstandes, Beamtenbeleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruchs anhängen, dass er mindestens für 1 Jahr weg vom Fenster sei; mit seiner Anstellung als Beamter sei dann ja nichts mehr, was für ihn ja wohl das >>Aus<< bedeute, nachdem er schon bei der Industrie praktisch ein Berufsverbot habe.“ Und weiter heißt es unter „6. Drei Tage vor der ersten Brokdorf-Demonstration erhielt unser Mandant wiederum Besuch von 2 Herren, die sich als Polizeibeamte vorstellten und sagten, dass nicht erwünscht sei, dass er in Brokdorf spreche; werde er sich dort sehen lassen, so werde er durch nicht uniformierte Polizei >>im Gewühl unauffällig krankenhausreif geschlagen<<.“ 33

 

Das Versprechen des Senators für Aufklärung zu sorgen, wurde nicht eingehalten. Im Gegenteil: Es erfolgten weitere Anzeigen der Hamburger Polizei wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung, Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung, die einen illegalen Eingriff in ein schwebendes Primärverfahren darstellten. Zudem erfolgte ein Brandanschlag auf meine Wohnung und in meiner Bibliothek wurden eine Reihe Bücher und geheimer Unterlagen über Atombombenherstellung und interne Unterlagen amerikanischer Behörden zur Reaktorsicherheit umgruppiert, so dass sie nicht mit dem Buchrücken, sondern mit der Vorderseite zum Betrachter standen. Offensichtlich ein Hinweis, diese Literatur nie zu verwenden. Die Presse griff die Vorfälle auf. So z.B. das „Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt“, das weitere Schikanen auflistete. 34 „Der Stern“ erklärte: „Dass die Frage aufgeklärt wird, ob Polizisten oder von anderen gedungene Täter Strohm unter Druck setzen wollten, glaubt allerdings auch die Staatsanwaltschaft nicht. Sie weiß, dass >>Profis normalerweise keine Spuren hinterlassen<< (so Staatsanwalt Rohlf).“ 35 Zwei Tage nach Erscheinen des Stern-Artikels erhielt ich ein Steuerermittlungsverfahren mit dem Datum des 14. Juli 1977 – der Tag an dem der Artikel erschienen war!

 

Doch auch die Presse ließ sich von der Atomlobby einspannen. Nach einer Veranstaltung gegen das Atomkraftwerk Krümmel, bei der ich als Hauptredner aufgetreten war, hieß es später in der Tagespresse, ich hätte zur Stürmung auf den Bauzaun aufgefordert.

Bei der Nachfrage meines Anwaltes bei der Deutschen Presseagentur ergab sich, dass diese Information von der Polizei gekommen sei, die anscheinend vorhatte, mich wegen Aufforderung zur Gewalt juristisch zur Strecke zu bringen. 36 Auch „Die Zeit“ ließ sich von der Atomlobby einspannen. Ich hatte mehrere Artikel für „Die Zeit“ u.a. über die Folgen eines Reaktorunfalls geschrieben, die nie gedruckt wurden. Nach dem AKW-Unfall in Harrisburg (Dreimeileninsel, 28.3.1979) wurde die Zeitung von Bürgerinitiativen aufgefordert, endlich den Artikel zu veröffentlichen. Nachdem auch diese monatelang hingehalten wurden, platzte den Initiativen der Kragen und sie fertigten einen Sonderdruck an. Daraufhin wurde ich von Dr. Theo Sommer, dem Herausgeber der Zeit auf 500 000 DM Ordnungsgeld verklagt. Das wiederum löste eine große Solidaritätswelle aus. Tausende Bürger empörten sich. Unter anderem erhielt ich Besuch von Joseph Beuys, Gösta von Uexküll, Rudi Dutschke und vielen anderen Persönlichkeiten, die mich fragten, ob ich finanzielle Hilfe benötigte. Der Prozess endete in einer Schlammschlacht. Die Mediensozietät der „Zeit“ beleidigte mich grob, so dass ihr ein Standesverfahren der Anwaltskammer wegen Beleidigung drohte, das sie mit einer öffentlichen Entschuldigung vor Gericht abwenden konnte. Gleichzeitig erklärte sie meinem Anwalt den Streit, so dass dieser auch damit rechnen musste, auf 500 000 DM Ordnungsgeld verklagt zu werden, so dass ich mich auf einen Kompromiss einlassen musste. 37

Solche Prozesse dienen der Einschüchterung und verursachen hohe Kosten.

 

Auch die HEW (Hamburgische Electricitäts-Werke) arbeitete mit schmutzigen Tricks. Ihr Propagandachef, Johannes Koppe, behauptete im Februar 1974 gegenüber Schulbeamten, ich wäre Kommunist, der sein Geld aus Moskau beziehen würde, um unser freiheitlich demokratisches Wirtschaftssystem zu beseitigen. 38 Eine Methode, die damals für gewöhnlich zu einem Berufsverbot führte. In einem Brief an das Helene-Lange-Gymnasium versuchte sich die HEW um eine Podiumsdiskussion zu drücken, indem sie auf drei Seiten weitere Beleidigungen über mich verbreitete u.a. mir sei jedes Mittel recht, um unsere Volkswirtschaft zu schädigen. 39 Peinlicherweise wurde Johannes Koppe wenige Jahre später als der erfolgreichste Atomspion des Staatssicherheitsdienstes der DDR entlarvt, dem es aber gelang, in die DDR zu entfliehen. Die Schulbehörde nahm die Hinweise der HEW gerne auf. Bestanden doch innige Bande mit Schulsenatoren, die immer wieder Ausstellungen wie „Du und das Atom“, „Schule und Atom“ förderten. Da mir das Beamtenrecht verbietet, über meine Erfahrungen mit der Schulbehörde - die man mir acht Jahre lang angedeihen ließ - zu sprechen, sei nur so viel gesagt: Sowohl bei meiner ersten als auch zweiten Staatsprüfung haben die Vertreter der Schulbehörde mir stets, mit Hinweis auf meine Anti-AKW-Aktivitäten, die schlechteste Note verliehen, während mich andere Prüfer mit sehr gut bewerteten. Nachdem ich acht Jahre lang mit dem Rücken zur Wand stand und Schlimmes über mich ergehen lassen musste, wurde ich schwer krank. Ein Jahr, nachdem eine Überarbeitung und beträchtliche Erweiterung meines „Friedlich in die Katastrophe“ 1981 erschien, wurde ich als querulatorischer Paranoider in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, genau wie die unbequemen Steuerbeamten in Frankfurt - offenbar hat diese Praxis Methode.

 

Im Jahre 1978 war ich Spitzenkandidat der „Bunten Liste“ in Hamburg, einem Vorläufer der Grünen. Das stieß nicht gerade auf Begeisterung bei den Behörden, die mir dies als Beamtenanwärter nachdrücklich klar machten. Staatsfeinde hätten nun einmal nichts im Staatsdienst zu suchen. So wurde auch meine Verbeamtung weit hinausgezögert - obgleich ich zuvor wegen besonders guter Leistungen vorzeitig verbeamtet werden sollte – bis der ehemalige Oberbürgermeister Hans-Ulrich Klose und sein Pressesprecher einschritten und die Verbeamtung veranlassten. Auch die Polizei interessierte sich eifrig für mich und mein Auto, auf dem sich große Bunte Liste Aufkleber befanden. Bei einer Fahrt von Hamburg nach Hannover wurde ich sechs Mal von der Polizei angehalten und mein Fahrzeug ausgiebig durchsucht. Kaum eine Fahrzeugkontrolle der Polizei konnte ich ungeschoren passieren. Man widmete sich voller Intensität dem angeblichen Staatsfeind, der seine demokratische Gesinnung mit ökologischen Aufklebern demonstrierte.

 

Apropos Fahrzeuge: Wiederholt wurden an meinem jeweiligen Auto Lenkungen angesägt, Bremsschläuche angeritzt, Keilriemen durchschnitten, Reifen mehrfach durchstochen, das Fahrzeug besprüht oder ich nachts mit Telefonterror belästigt usw. Durchaus eine übliche Praxis bei Atomgegnern bezeugt Prof. Robert Jungk. Er schreibt in seinem Buch „Der Atom-Staat“ über den Ingenieur Ingo Focke, der aus der Familie des berühmten Bremer Flugzeugkonstrukteurs stammt: „Focke schilderte mir darin, wie man sein eigenes Auto und die Fahrzeuge einiger anderer qualifizierter Atomgegner heimlich beschädigt hatte, wohl in der Erwartung, die Sabotage würde zu spät bemerkt werden. In einem Fall war die Rechnung der Attentäter sogar aufgegangen: S., Leiter einer deutschen Volkshochschule, hatte eine Vortragsreihe veranstaltet, in der er sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzte. Vergeblich hatten die Stadtväter, die sein Vorhaben missbilligten, zunächst versucht, es mit Entschlossenheit zu unterbinden… Kurz darauf verunglückte S. auf der Autobahn tödlich“, schreibt Jungk und nennt weitere Beispiele wie Autos von Atomgegnern sabotiert wurden oder diese auf seltsame Art verunglückten. 40

 

Da der Platz hier beschränkt ist und um den Artikel nicht ausufern zu lassen, mache ich einen Sprung in den April 1986. Ich kündigte in einer Vortragsreihe an, es würde sich demnächst ein großer Reaktorunfall ereignen. Obgleich er nicht in Deutschland stattfinden würde, würden wir dennoch in Mitleidenschaft gezogen. Daraufhin ließ die Deutsche Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf GmbH in der „Mittelbayerischen Zeitung“, „Der Neue Tag“ und anderen Zeitungen halbseitige Annoncen drucken mit der Überschrift „Jenseits des Erträglichen. Die Horrorgeschichten des Holger Strohm – Mit Schreckensvisionen ungeheuren Ausmaßes konfrontierte Holger Strohm bei seinem Auftritt in Schwandorf seine Zuhörer… über die angeblich zu erwartende Atomkatastrophe.“ Die Anzeige erschien am 26. April 1986, an dem Tag als der Reaktor in Tschernobyl explodierte. Die Absicht, mich lächerlich zu machen, wurde durch den Reaktorunfall durchkreuzt. Also legten die Hamburger Electricitäts-Werke nach: Sie erstattete im schwarzen Amberg eine Anzeige wegen Verleumdung, da in meinem „Friedlich in die Katastrophe“ in einem Satz stand, dass offensichtlich Behinderte im AKW Brunsbüttel eingesetzt worden waren, um Reinigungsarbeiten vorzunehmen. Dabei interessierte weder, dass ich notariell eidesstattlich beglaubigte Aussagen von Mitarbeitern des AKW vorlegen konnte, die Passage längst verjährt war, noch dass es schon sehr abwegig ist, wenn die HEW, die in Hamburg ansässig sind, einen Prozess im fernen Bayern führen. Das schwarze Amberg sei wohl williger, mutmaßten Medien.

 

Die „Amberger Stadtnachrichten“ kommentierten im Zusammenhang mit dem Verleger von Friedlich in die Katastrophe, Lutz Kroth von Zweitausendeins: „Obwohl Strohm seinen Wohnsitz zu Protokoll gegeben habe, habe die Polizei, wie Kroth fortfährt, weitergeforscht, als sei Holger ein Staatsfeind mit unbekanntem Aufenthalt… Die Strafanzeige löste eine Ermittlungstätigkeit aus, die in ähnlichen Fällen undenkbar wäre. In anderen Verleumdungsverfahren werden die Anzeigenerstatter nämlich regelmäßig auf den Privatklageweg verwiesen.“ Die Fahndung löste eine Überwachungsorgie aus, die wohl einmalig in Deutschland war und Dutzende Personen mit einschloss, angeblich um den Wohnsitz Strohms zu ermitteln. Lutz Kroth: „Es wurde in meinem Umfeld fleißig ermittelt und selbst der Zustand meines Briefkastens nach Amberg gemeldet… Alles hört sich zwar an wie eine bundesdeutsche Amtssatire, aber Holger Strohm mag darüber nicht mehr lachen. Er stellt die merkwürdigen Nachforschungen nach seinem Aufenthaltsort in eine Reihe mit den Drohungen, denen er seit Jahren ausgesetzt ist.“ Dabei war die Polizei längst bei dem Vermieter meiner Wohnung in Hamburg gewesen und berichtete dem, ich wohne in Portugal und sprach die Empfehlung aus, dem Staatsfeind zu kündigen. Die Amberger Stadtnachrichten: „Dass Strohms Hamburger Vermieter nach den polizeilichen Recherchen wegen ihm urplötzlich eine Räumungsklage wegen Eigenbedarfs schickte, wundert den 45jährigen Schriftsteller nicht mehr. >>Repressalien gegen mich sind nichts Neues<<.“ 41

 

Der Prozess fand im Hochsicherheitstrakt für Terroristen hinter Panzerglas in Schwandorf statt. Dabei interessierte nicht, dass Leiter von Behindertenwerkstätten zugaben, dass selbstverständlich ihre Leute auch in Atomkraftwerken putzen, solange die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, dass Datenschutzgesetze und die Amtsverschwiegenheit von der Staatsanwaltschaft gebrochen wurden und den Geschäftsführern des AKW Brunsbüttel vertrauliche Informationen über mich übermittelt wurden. Auch nicht, dass ich dem Gericht eidesstattlich notariell beglaubigtes Zeugnis mit der Bestätigung über die vorherig beschriebenen Tatsachen vorlegte. In weiteren Verhören wurde versucht, aus „wurden“ ein „werden“ und aus radioaktiven Säuberungsarbeiten ein „wegwischen von Plutonium im Kontrollbereich“ und aus Behinderten ganze „Busladungen geistiger Behinderter“ zu machen. Als ich die Glaubwürdigkeit der Geschäftsführer des AKW mit Fragen überprüfen wollte, wurde ich von dem Staatsanwaltschaft angeherrscht: Sie sind der Angeklagte, nicht die Zeugen! Da die Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichten, wurde das Verfahren ausgesetzt, um weiter zu ermitteln. Richter Grüner erklärte entlarvend, auch wenn es stimmt, was Sie sagen, kann es trotzdem theoretisch zu einer Verurteilung kommen. Und machte diese Ankündigung Jahre später wahr, als ich längst in Portugal im Exil wohnte. In Abwesenheit wurde ich wegen Beleidigung der Nuklearindustrie zu 1500 DM Geldstrafe, Gerichtskosten, Gebühren etc – summa sumarum zu 3000 DM Strafe verurteilt. 42 Die bayerische Staatsregierung hält die Justiz unter ihrer Fuchtel und schert sich wenig um Grundrechte oder Karlsruher Urteile, wenn es gegen Atomkraftgegner geht, stellte der Spiegel fest. Und Abgeordneter Rolf Langenberger ergänzte: Staatsregierung und Justiz ist kein Mittel zu schade, um unliebsamen Widerstand gegen die Atompolitik zu kriminalisieren. 43 44

 

Doch diese „Rechtsmaßnahmen“ waren nur ein Teil einer konzertierten Aktion. Im gleichen Zeitraum hielt ich Vorträge in einer gutbesuchten Veranstaltung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Hamburger Curio-Haus. Nach Beendigung ging ich als einer der letzten zu meinem Fahrzeug, als sich ein elegant gekleideter Herr aus dem Schatten löste und mich ansprach. Mein rhetorisches Talent habe ihn beeindruckt; doch leider befände ich mich auf der falschen Seite. „Man“ wolle, dass ich ins Ausland verschwinde – möglichst weit weg. Mir würde man nichts tun, einen Märtyrer könne man nicht gebrauchen, aber meine Schwachstelle seien meine Kinder – wie leicht können die verunglücken. Und ich wüsste ja mittlerweile, dass sie die Stärkeren seien. Mir wurden noch einige Interna über mich offenbart, die nur Behörden wissen konnten. Auf meine Frage, wer denn „man“ sei – die Atomindustrie oder Verfassungsschutz? – antwortete er mir, in meinem Fall spiele das keine Rolle, da alle Beteiligten derselben Meinung seien: raus müsse ich, ganz schnell raus aus Deutschland und dann lasse man mich auch in Ruhe. Nach all meinen Erfahrungen war mir klar, dass nur das Recht des Stärkeren zählt und so zog ich mit meinen beiden kleinen Söhnen nach Portugal, um ihr Leben nicht zu gefährden. 45 Doch, auch das Versprechen mich in Ruhe zu lassen, wurde nicht eingehalten. Offensichtlich wollte „man“ nur, dass ich mich im Ausland aufhalte, um mich ohne großes Aufsehen verunglücken zu lassen, indem man mich mit einem Laster in eine tiefe Schlucht, in der Nähe meines Wohnortes schieben wollte. Doch leider kann ich hierzu nichts Näheres verlauten lassen, da mir der portugiesische Geheimdienst die Vorfälle niemals offiziell bestätigen würde.

 

1994 starb mein Vater und meine betagte, kranke Mutter wollte unbedingt, dass ich mit ihren Enkeln zurück nach Deutschland komme. Zur Strafe wurden in Deutschland sämtliche meiner Bücher vom Markt genommen. Sogar das Buch „Plumps“, das meine Söhne 1994 mit acht und neun Jahren schrieben und zeichneten – über die wahre und ergreifende Geschichte einer Ente - konnte bisher – in Nazi-Sippenhaft - vom Markt ferngehalten werden, obgleich der zuständige EU-Kommissar für Bildung und Ausbildung Jan Figel zu dem wundervollen Projekt gratulierte 46 und selbst EU-Präsident Jose Manuel Barroso das Buch als „extrem interessant und relevant“ bezeichnete und ausgezeichnet geeignet, um unterpreviligierten und Kindern mit Immigrantenhintergrund Sprachen zu vermitteln, „da es auf hocheffektive Weise den Spaß am Lernen mit dem Inhalt verbindet“. 47 Doch offensichtlich will uns die Bundesregierung so dumm wie nur möglich, um uns leichter regieren zu können und verhindert daher jede Förderung von Immigrantenkindern.

 

Für Atomgegner gibt es auch keine Freiheit der Wissenschaften. 1998 begann ich eine Dissertation über Lehrergewalt zu schreiben. Die zuständigen Ministerien in Hamburg und Kiel verboten mir dafür, Schüler und Lehrer zu befragen. Nur Prof. Dr. Johannis Beck aus Bremen getraute sich, die Doktorarbeit anzunehmen. 2002 reichte ich meine erste Dissertation mit rd. 200 Seiten Umfang ein. Obgleich die Gutachter bestätigten, dass die Arbeit alle Erfordernisse an eine bildungswissenschaftliche Dissertation voll erfüllt, wurde sie vom Promotionsausschuss als unwissenschaftlich abgelehnt. Die nächste Ausarbeitung mit 500 Seiten wurde als zu lang abgelehnt. Die dritte habe man angeblich nie erhalten. Nach einem Postnachforschungsauftrag tauchte sie nach einem halben Jahr wieder auf und wurde ohne Gründe abgelehnt. Erst als der damalige Bildungssenator Willi Lemke und Staatssekretär Michael Müller wegen verfassungsfeindlicher Zensur intervenierten, wurde die Dissertation angenommen. In der mündlichen Prüfung bestätigten mir vier Professoren ein „immenses Wissen auf allen Gebieten“. Da schritt der Promotionsausschuss erneut ein und verlangte, dass die Arbeit neu geschrieben werden solle, dann sie ein Dutzend Mal zu ändern, um sie letztendlich mit einem Gefälligkeitsgutachten, des ach so linken Gewaltforschers Wilhelm Heitmeyer aus Bielefeld abzulehnen.

 

Aus Protest traten die beiden Gutachter zurück und schrieben geharnischte Briefe. Der hoch renommierte Jurist, ehemalige Verfassungsrichter und bekannte Kunstsammler, Prof. Dr. Harald Falckenberg, sprach von einem „einzigartigen Fall schikanösen Verhaltens“ und dass das Verfahren „mit einem an den Rechtsstaat gebundenen Ablauf nichts zu tun hat“. Mehrere renommierte Tageszeitungen und bekannte Journale wollten über den Vorfall schreiben, durften aber nicht! Nur die „taz“ getraute sich. Obwohl juristischer Laie wies Redakteur Benno Schirrmeister auf einer ganzen Seite nach, dass praktisch alle Vorschriften der Promotionsordnung von dem Promotionsausschuss permanent und vorsätzlich gebrochen wurden. Die Professoren hätten Anstoß daran genommen, dass der Atomkritiker Strohm von Medien als „einer der bedeutendsten zeitgenössischen Denker“ bezeichnet wurde. 48 Und natürlich schmeckte ihm das Thema der Dissertation nicht: Der systematischen schweren Folter und Körperverletzung von Lehrern an Kindern – unter staatlicher Obhut. Ich habe über 100 Briefe an Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Minister, Wissenschaftler, Abgeordnete, die Spitzen der Grünen, sogenannten Gutmenschen, Amnesty International, Medien usw. usw. geschickt. Kaum einer hat reagiert und wenn, dann hat man sich für nicht zuständig erklärt. 49

 

Glücklicherweise hat das Oberverwaltungsgericht in Bremen keinen Zweifel daran gelassen, dass der Promotionsausschuss so ziemlich alle Vorschriften des Promotionsrechts permanent und willkürlich gebrochen hat: „In der anderthalbstündigen Verhandlung ließ die sechste Kammer des Verwaltungsgerichts am Dienstag keinen Zweifel daran, dass der >>Promotionsausschuss Dr. phil<< das 2002 begonnene Promotionsverfahren des politischen Publizisten aus Mölln willkürlich verzögert hat, um es schließlich nach erfolgreicher Prüfung seiner Dissertation über Gewalt von Lehrern gegen Schüler, zu torpedieren… Dabei habe sich der nur für formale Fragen zuständige Ausschuss mehrmals widerrechtlich in die fachlich-inhaltlichen Bereiche eingemischt… Als >>menschenverachtend<< hatte der ehemalige Hamburger Verfassungsrichter Harald Falckenberg den Umgang der Bremer Uni-Verwaltung mit Strohm bezeichnet…

Wer die Akten durchforstet, entdeckt, dass sich die geradezu hysterische Abwehrhaltung des Ausschusses am Namen Strohm und seinem Ansehen entzündet“, so die taz. 50

 

Seit Jahrzehnten stehe ich unter massiver Zensur. Kein Verlag, Vertrieb oder Buchladen wagte noch Bücher von mir zu veröffentlichen bzw. zu verkaufen. Von mir verfasste Bücher werden von den Medien totgeschwiegen und ignoriert. Das portugiesische Journal „Maré Alta“ schrieb: „Auf Grund seiner hohen kritischen Intelligenz wird Holger Strohm vom deutschen Staat als Staatsfeind betrachtet. Keines seiner Bücher darf mehr verkauft werden. Der Buchmarkt wurde komplett gesäubert. Sein letztes Buch „Unmensch Mensch“ musste in Portugal gedruckt werden.“ 51

 

Nach der Fukushima-Katastrophe schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen ganzseitigen Artikel über mich „Einer steht im Weg“. Das brach anscheinend zunächst das Eis. Nachrichtenagenturen interviewten mich. Doch man nahm ihnen die Filme weg, sie durften nicht gesendet werden. Kein Journalist wagte, mich zu den Vorgängen in Fukushima zu interviewen, obgleich ich über Hundert von ihnen kontaktiert hatte. „Holger, Du weißt doch, dass wir mit Dir nichts machen dürfen. Aber nun erzähl uns doch mal, was da passiert. Denn uns belügt man ja auch nur.“ Immerhin getrauen sich seitdem einige kleinere Verlage wieder, einige Bücher von mir herauszubringen. Doch sofort ließ die Steuerbehörde über das Finanzgericht Hamburg verordnen, dass ich die Kosten für meine Bücher nicht absetzen dürfe, aber alle Einnahmen voll zu versteuern hätte, obgleich die Verluste erst durch die verfassungsfeindliche Zensur entstanden sind. Daher kann ich mir teure Fachliteratur nicht mehr leisten. In dem Urteil „im Namen des Volkes“ heißt es: „Die Aberkennung der steuerlichen Absetzbarkeit der Verluste käme einem Berufsverbot gleich.“ 52 Für mich ist dies ein weiterer Versuch, meine kritische schriftstellerische Tätigkeit zu unterbinden.

 

Zudem unterstehe ich einer massiven Zensur – ähnlich wie die Menschen in China, dem Iran oder Weißrussland. Während hierzulande ständig von Medien auf die vermeintlichen Verstöße von Menschenrechten im Ausland hingewiesen wird und wir Deutschen als die Klügsten, Schönsten und Beliebtesten der Welt gepriesen werden, wird von den gleichgeschalteten Medien jegliche Kritik an Missständen unterdrückt, obgleich Amnesty International oder der Menschenrechtsausschuss der UNO uns wiederholt wegen Verstößen gegen demokratische Freiheiten verwarnten. 53 In Universitäten und Schulen wurden Seminare, Diskussionen und Filmvorführungen mit folgender Begründung verboten: Der Strohm sei zu intelligent, wisse zu viel und sei zu kritisch. Man müsse die Studenten bzw. Schüler vor seinem Wissen schützen. Universitäten wollen Studenten vor Wissen schützen? Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen!

 

Seit meinem Umweltschutzengagement vor 44 Jahren wurde immer wieder phasenweise meine Post aufgerissen zugestellt. Zwar verfügt man schon lange über die Technik gefaltete Briefe zu scannen und zu speichern, aber offensichtlich sollte ich genau wissen, dass ich überwacht werde. Wenn ich zu viele kritische Gespräche am Telefon führe, wird mir das Telefon zur Strafe für Stunden oder Tage einfach abgestellt. Über das Internet bin ich seit Jahren nicht mehr erreichbar, man hat mich einfach abgekappt. All das dient offensichtlich dazu, eine Drohkulisse aufzubauen: Strohm, wir observieren Dich und wenn Du nicht zur Vernunft kommst, musst Du damit rechnen, dass wir Dich nachts einfach abholen und dann verschwindest Du, bist Du geläutert bist. Eine weitere Taktik ist die Verleumdung im Internet über esowatch und wikipedia, die mich als bekennenden rechten Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt hatten. Vieles spricht dafür, dass esowatch ein Kind des Verfassungsschutzes bzw. BND ist, das unter der Antifa-Flagge segelt. Und wikipedia wurde in Portugal wiederholt wegen Verleumdung zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt.

 

Menschenverachtend ist auch der Umgang der EU mit Atomgegnern. Seit fast 25 Jahren fahre ich regelmäßig nach Portugal, ohne jemals kontrolliert worden zu sein. Aber von 2008 an bis heute wurde ich während der Durchfahrt in jedem der Länder (Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland) häufig von mehreren Polizisten oder Zöllnern mit Drogen- und Sprengstoffhunden peinlich genau kontrolliert. Dabei ist offensichtlich, dass ich gezielt herausgegriffen wurde, man hinter mir herfuhr oder mich hinten und vorne eskortierte, mich mitten im Lande zu speziellen Plätzen dirigierte, um mein Fahrzeug auseinander zu nehmen. Angeblich wäre ich als Terrorist, Waffen- und Drogenhändler im großen Stil im Interpol-Computer gelandet – wohl auf Betreiben der Atomlobby. Mein Rechtsanwalt erklärte mir, man wolle den Druck erhöhen. Aber richtig gefährlich würde es erst, wenn man mir Drogen unterschieben würde, und ich dann im spanischen bzw. französischen Knast verfaule. Es sei damit zu rechnen, dass ich keine Hilfe des Deutschen Konsulates erhalten würde.

 

Doch richtig ungemütlich wurde es, nachdem ich von 2010 bis 2012 den atomkritischen Dokumentarfilm „Friedlich in die Katastrophe“ produziert hatte. Und obgleich mir Granden aus Film und Fernsehen bereits Anfang 2012 prophezeiten, dass der Film zu kritisch sei, um ihn auf Festivals zuzulassen, wir weder einen Verleih, noch Förderung bekämen, er weder in regulären Kinos noch im Fernsehen gezeigt würde, die Mainstreammedien ihn ignorieren würden und uns selbst aus der eigenen Anti-Atombewegung der Dolch in den Rücken gestoßen würde, da diese vom Verfassungsschutz und der Atomlobby unterwandert sei, hätte ich mir, selbst in meinen schlimmsten Träumen, nicht das Ausmaß des Hasses und der Unterwanderung vorstellen können. Als erstes wollten mir Dutzende Menschen vorschreiben, was aus dem Film raus muss. Dann folgte eine Verleumdungskampagne, ich wäre Nazi, Antisemit, Holocaust-Leugner und Ausländerfeind. Erschreckend war, dass sich sogar die Spitzen der Anti-Atom-Bewegung, als auch Grüne Landesvorstände an der Kampagne beteiligten und versuchten, die Aufführung des Filmes zu verhindern. Aus alten Zeiten verfüge ich noch über Kontakte zu Verfassungsschützern, die noch über einen Rest Anstand verfügen. Aus diesen Kreisen hieß es, es handele sich hierbei um „green-washing“. Die letzten vertrauenswürdigen Umweltschützer und Atomgegner sollten unglaubwürdig gemacht werden und V-Leute und Atomlobbyisten in Schlüsselpositionen geschoben werden, um im Namen der Umwelt- und Anti-AKW-Bewegung dafür zu plädieren, dass das private Stromnetz mit Steuergeldern ausgebaut werden sollte; dass für den Fall, das die Energiewende scheitere, weitere Atomkraftwerke als „Interimslösung“ am Netz bleiben und dass, nachdem man alle Standorte für den hochaktiven Müll untersucht habe, Gorleben von allen schlechten Lösungen als die Beste übrig bleibt. Mit den Äußerungen aus den eigenen Reihen sollen Bevölkerung und Umweltschützer beruhigt werden.

 

Dass selbst angebliche Atomgegner und Grüne Landesvorstände bei diesen Methoden auf die Nazi- und Antisemitenkeule zurückgriffen, ist entlarvend und zugleich erschreckend. Grüne Mitglieder und Mandatsträger schrieben dazu im April 2013: „Holger Strohm ist einer der federführenden Umwelt- und Mitweltschützer mit einer langen Geschichte von Anfeindungen und Verunglimpfungen, wie kaum einer der >>Jetztgrünen<< Mandatsträgern es sich nur annähernd vorstellen kann. Ohne seine zahlreichen Bücher und Vorträge gäbe es weder die Öko- und Atombewegung, noch die Grünen in ihrer gegenwärtigen Form. Früher wurde er als Radikalkommunist diffamiert und mit Berufsverboten belegt. Heute wird aus dem linken Anarchisten Dr. Strohm ein Nazi gemacht und man will ihm vorschreiben, was er denken, sagen und mit wem er reden darf. Das ist ein faschistoides Vorgehen, wie es die Nazis bei den Juden praktizierten. Die jüdische Zeitschrift „europäische ideen“ dazu: >>Holger Strohm wird in Deutschland so behandelt, wie die Nazis die Juden behandelt haben.<< „ 54

 

 

 

 

 

1. Dr. Prasß: 9. Tagung des Atlantikrates in Paris. Bonn, Bundesministerium für Verteidigung, 9.Jan. 1957, S.138f.

2. Strohm, H.: Die stille Katastrophe. Frankfurt/M, Zweitausendeins, 1999,

3. Strohm, H.: Politische Ökologie. Reinbek, Rowohlt Verlag, 1979, S.103-109.

4. Bissinger, M.: Wir sind alle Geiseln. München, Natur, Sonderdruck Atomstaat, 1987, S.3.

5. Deutscher Bundestag, Bonn, 8. Legislaturperiode, 28. Sitzung, Plenarprotokoll 8/28, Frage 16, 25. Mai 1977.

6. Auch im Pfarrhaus wacht das Auge des Gesetzes. Frankfurter Rundschau, 11.9.1976, S.4.

7. Niedersächsischer Landtag, Hannover, Achte Wahlperiode, Nr. 2534 Drucksache Nr. 2430/18,

Abgeordnete Hoffmann (SPD) vom 8.3.1977 und Antwort der Landesregierung vom 27.4.1977.

8. Spoo, E.: Beschattet beim Brötchenholen und beim abendlichen Trimmtrab. Frankfurter Rundschau,

16.5.1978.

9. Bechert, K.: Da heben wir den Atomstaat!“ Gau-Algesheim, Nr.9/80, 22.8.1980, S.2a.

10. Spoo, E.: Diese Fratze des Atomstaats. Frankfurter Rundschau, 10.6.1995.

11. Jungk, R.: Der Atom-Staat. München, Kindler Verlag, 1977, S.94,101ff.,128,129,182-199.

12. Jungk, R.: Vom 1000jährigen Atomreich. Hamburg, Der Spiegel, 7.3.1977, S.46,47.

13. Der bewegte Bauer und eine gewisse Leere im herzen. Frankfurter Rundschau, 26.4.1995.

14. Zint, G.: Gegen den Atomstaat. Frankfurt, Zweitausendeins, 1979.

15. Grohnde Prozesse. Informationspapier zu Arbeitstreffen der Bürgerinitiativen, 1978.

16. Auf Teufel komm raus vor Gericht bringen. Hamburg, Der Spiegel, 16.4.1987, S.45-51.

17. Der grüne Rock zählt einfach mehr. Hamburg, Der Stern, 21.5.1987, S.222-230.

18. Politik an die Front. Hamburg, Der Spiegel, 7.11.1994, S.76.

19. Lieber vorbestraft. Hamburg, Der Spiegel, 27.6.1988, S.54.

20. Martyrum fortsetzen. Hamburg, Der Spiegel, 3.4.1989, S.113f.

21. Der Widerstand geht weiter & Die Solidarität beginnt am Bauzaun. Sulzbach-Rosenberg,

Mittelbayerische Nachrichten, 17.6.1988.

22. Storim, F.: Vorwärts und nicht vergessen – die Solidarität. Berlin, Edition ID-Archiv, 1990.

23. Robert Jungk in Friedlich in die Katastrophe – Der Film. Hamburg, 2012.

24. Jungk, R.: Wo bleibt das Umweltrecht? München, Natur, Februar 1989, S.15.

25. Wagner, F.: Uranbomben. Berlin, Kai Homilius Verlag, Compact Nr.18, 2010.

26. Wagner, F: Todesstaub. Köln, Ochoa-Wagner Filmproduktion, 2004.

27. Günther, H.-S.: Zwischen den Grenzen. Berlin, Verlag am Park, 2006.

28. Wagner, F: Todesstaub. Köln, Ochoa-Wagner Filmproduktion, 2004.

29. Friedlich in die Katastrophe – Der Film. Hamburg, 2012.

30. Wollny L.: Es wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Gartow, Rechtshilfegruppe Gorleben,1998.

31. Mysteriöser Mord vor der Öko-Station. Hamburg, Morgenpost, 1.12.1995, S.5.

32. Diverse Briefe an die Staatsanwaltschaft beim Landesgericht, Oberlandesgericht, abgedruckt in:

Umweltschutzreport, Hrsg.: Strohm, H., Darmstadt, Melzer Verlag, 1973, S.357-362.

33. Niese/Ketelboeter. Brief an Senator Dr. Rolf Biallas. Hamburg, 24.3.1977, S.1-6.

34. Bavendamm, D.: Der Besuch der drei geheimen Herren. Hamburg, Allgemeines Sonntagsblatt, 24.4.1977.

35. Wertz, A.: Ein Kilo Rauschgift unterm Bett. Hamburg, Der Stern, 14. Juli 1977.

36. Rohlf: Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Hamburg. Protokoll, G.Nr.: 830 Js 88/77, 6.5.1977, S.4,5,

37. Kersten. Klageschrift & Erwiderung Niese/Ketelboeter vor dem Landgericht Hamburg, A.Z.: 74 0 59/80;

N 34/80 n/e, 29.2.1980, S.1,2.

38. Kleeblatt, G.: Unser Schulsystem – Eine Verhöhnung der Demokratie? Hamburg, Rotstift, Nr.3/1974.

39. Hanke/HEW: Brief an den Elternratsvorsitzenden Otfried Halfer des Helene-Lange-Gymnasiums.

Hamburg, 13.10.1978.

40. Jungk, R.: Der Atom-Staat. München, Kindler Verlag, 1077, S.94, 101ff., 128, 129, 182-199.

41. War das schwarze Amberg wirklich williger? & 1500 DM Geldstrafe oder einen Monat Haft. Amberger

Stadtnachrichten, 11.5.1988.

42. Geisteskranke in AKWs. Hamburg, Oxmox, Juni/Juli 1988, S.51,52.

43. Bayern: Rosenkranz beten. Hamburg, Der Spiegel, Nr.5/1987, S. 93-97.

44. Auf Teufel komm raus vor Gericht bringen. Hamburg, Der Spiegel, 16.4.1987, S.45-51.

45. Strohm, H.: Ein persönlicher Rückblick. Aus: Die stille Katastrophe, Frankfurt/M, Zweitausendeins,

1999, S.XV,XIV.

46. Brief von Jan Figel, EU-Kommission, Brüssel, FVV-clA-346 D(2009) 165, 17.Feb.2009.

47. Brief von Jose Manuel Barroso, EU-Kommission, Brüssel, EAC C5/HH D(2007), 14.Mai 2007.

48. Schirrmeister, B.: Kein Titel für den alten Helden. Bremen, taz, 6.10.2011, S.5.

49. Strohm, H.: Lehrergewalt und strukturelle Gewalt an Schulen. Elbingen, Schild Verlag, 2013.

50. Schirrmeister, B.: Das Ende der Bremer Doktorspiele. Bremen, taz, 26.4.2012, S.21.

51. Alteracoes Climáticas: Calor Insuportável ou Idade do Gelo? Lagos, Maré Alta, Juli 2005, S.18.

52. Finanzgericht Hamburg: Urteil im Namen des Volkes. Aktz: 5 K 126/09. 15.April 2011, S.5-8.

53. United Nations: Human Rights Committee. International Covenant on Civil and Political Rights,

Genf, 102nd Session, CCPR/C/GC/14, 11-29 Juli 2011.

54. Siehe dazu die Briefe von Friedrich Bode und Ulrich Uffrecht an den Niedersächsischen Landesvorstand

der Grünen vom 28. und 29.April 2013, einsehbar unter holger-strohm.npage.de.

 

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